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Momente, 2016, Piezo-Pigment-Print, 81 x 61 cm
Ulrich Jenneßen
Momente

Eröffnung 22 | 09 | ab 18 h
23 | 09 | - 08 | 10 | 2016
Schröderstrasse 3 | 10115 Berlin/Mitte
Di - Sa 12 - 18 h
u. n. V.




Immer wieder neu ist der Hamburger Künstler Ulrich Jenneßen auf der Suche nach künstlerischen Möglichkeiten, um all jene Phänomene und Zustände des mensch- licher Existenz darzustellen, die eigentlich gar nicht fassbar und konkret sichtbar, sondern Ausdruck emotionaler Empfindungen und immateriell sind. In seinen durch technisch aufwendige Verfahren hergestellten Bildern, den multiforms, visualisiert er Gesehenes und Erfahrenes, psychisch-Seelisches, weltlich-Bewegendes, naturhafte Organismen. Farbig laute Sprenkel, präzise gesetzte Krakelüren, sich überlagernde Liniengebilde, unpräzise-Ausuferndes, nebulös-Angedeutetes, Körper und angedeu- tete Silhouetten, Geformtes und Modelliertes werden auf seinen Bildträgern, traditio- nellem Bütten, spannungsvoll gegeneinander ausgelotet.
Digitalistische Malerei nennt der Künstler seine Arbeiten selbst und beschreibt damit die aufwendige Ausarbeitung und Beherrschung gemischter künstlerischer Techni- ken, die je nach Bedarf in einem aufwendigen Kreationsprozess in das Endresultat miteinfließen. Seit ihrer Erfindung beherrscht der Künstler sein eigentliches Medium, die Bildmaschine, meisterlich. Jenneßen schöpft in seinen Motiven aus dem Reich des Hintergründigen, des Seelischen und Abstrakten.
Für naturale Phänomene und Prinzipien wie die Zeit, Erinnerungen, Gefühle, Sehn- süchte, innere Konflikte, Traumhaftes; genauso wenig scheut er sich, soziale Miss- stände unserer globalisierten Welt ins Blickfeld zu rücken.
Auslaufendes, Ausuferndes, Amorphes, Filigranes, wabernde Farbwolken, Gerüste aus Linien und Schraffuren entfalten im betrachtenden Auge eine ungeheure Ener- gie. Manches genügt sich selbst als reine Poesie, anderes bildet die Folie für philo- sophisch-hintergründige Reflektionen. Man spürt förmlich den vorangegangenen Prozess des Umherschleuderns der einzelnen Elemente und Farben, die Suche nach dem Verbleib und Platzieren an der richtigen Stelle.
Bildtitel helfen nur scheinbar der Dechiffrierung, sie mögen vielmehr dem Betrachter Hilfestellung geben, das Uneindeutige weiterzudenken oder darüber zu kommuni- zieren. Sie werfen vielmehr Fragen des Seins, unerklärbarer Naturgesetze und phy- sikalischer Parameter auf. Stehen Kreis oder Auge als Synonym für das wachende Schöpferauge? Die bildlichen Zeichen und Platzhalter scheinen stille Botschaften eines das weltliche Geschehen unserer Zeit sensibel wahrnehmenden Künstlers
zu übermitteln.
Auch wenn Jenneßen seine akademische Ausbildung in den sechziger Jahren erfahren hat, will er sich den gängigen Strömungen und Stilen, die aus dem allge- meinen Aufbruch in der Kunst und der Zeit hervorgerufen wurden, nicht einfach zuordnen lassen. Denn seine eingesetzten neuen Techniken führen zu einem ganz neuen Formenvokabular; sie widersetzen sich bekannten Strukturen und erfordern neue Begrifflichkeiten. Indem Jenneßen die üblichen Kompositionsgesetze sprengt, will er auch alte Wahrnehmungsmuster aufbrechen und neue Bewusstseinsprozesse in Gang bringen.
Ulrich Jenneßen produziert seit kurzem seine multiforms nur noch als Unikate, gleich der Aura des Individuellen und Unverfälschten einer Malerei auf Leinwand. Hochpigmentiert entwickeln seine »Leinwände« aber stets ihre ungeheure Strahlkraft im Auge des Betrachters.
Erstmalig zeigt der Hamburger Künstler Ulrich Jenneßen nun seine Werke in der aktuellen Ausstellung »Momente« in der Galerie No3 in Berlin.
Dr. Annette Baumann