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Biographie

Studium an der Kunsthochschule Bremen in den sechziger Jahren
Fachbereiche:
Grafik bei Jobst von Harsdorf
Fotografie bei Lothar Klimek
Freie Malerei bei Gerd Dahlmann

Digitalistische Malerei & Zeichnung

Ausgebildet in den sechziger Jahren an der Kunsthochschule Bremen, hat sich Jenneßen alle künstlerischen Gattungen zu Eigen gemacht, um sie zu nie gesehen Bildformen zu vermischen. Meisterlich beherrscht er das Spiel mit Formen und Farben als Grundlage aller künstlerischer Gestaltung. Mit den Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung lenkt er seine stark von der Emotion inspirierten Ideen. Jenneßen vereint in seinen speziell erfundenen multiforms die verschiedenen Techniken der Fotografie, Grafik, Plastik und Malerei zu einer einzigartigen Symbiose. Durch die Einbeziehung technischer Hilfsmittel verläuft der Herstellungsprozess schließlich so vielschichtig, dass die Entstehung eines Werkes nicht mehr genau nachvollziehbar ist und dem Betrachter verborgen bleibt.

In einer Art Vorarbeit werden Spuren von Jenneßens künstlerischen Experimenten als fotografische Vorlage für den weiteren, malerischen Kreationsprozeß modernen Bildmaschinen übergeben. Durch gezieltes Eingreifen in die digitale Bildgestaltung steuert der Künstler die Umgestaltung erster Bildfindungen. Nicht selten sind dabei auch Fundstücke aus dem Alltag, vom Schrottplatz oder aus der Natur, darunter Drahtgeflechte oder bestimmte Gesteinsformen, dienlich und tauchen als Reminiszenzen auf den neuen Bildoberflächen wieder auf. Die Werke spiegeln Jenneßens besonderes Interesse an Oberflächenstrukturen, die sich wie Membrane collagehaft auf die neu entstehenden Bildflächen legen. Durch die atypische Behandlung in der Bildmaschine findet Jenneßen in seinen multiforms zu ganz neuen Möglichkeiten der Bildgestaltung.

Gesetze der klassischen Bildkomposition werden dabei völlig durcheinander gebracht, in der Intention, Gefühltes besser sichtbar zu machen. Großen optischen Reiz üben die dramatische Liniengefüge, satt leuchtenden Farbfelder und Formwelten seiner medialen Arbeiten aus. Das Auslaufen von Farbformationen und Endloslinien, krakelig, fransend oder gerade, ist gewollt.

Analog zu Vorgängen in der Natur formieren sich seine Farbkörper zu ungewöhlichen Gebilden und sind fortlaufend im Werden und in der Entstehung begriffen. Eigentlich in einem nie endenden, nicht abgeschlossen Zustand befindlich, fordern sie die Wahrnehmung des Betrachtenden ganz neu heraus. Sind hier reale Formen auszumachen oder wird man nur an etwas erinnert, das man zu kennen meint? Solche Uneindeutigkeit bezieht das Abweichende, das Unvorhersehbare in die Gestaltung mit ein und sucht sie bildlich festzuhalten. Durch das Einschleusen der Vorlagen in digitale Prozesse, durch bewusstes Unterbrechen oder Laufenlassen der Behandlung, unterwandert der Künstler Vorstellungen vom Vorhersehbaren. Details und figürliche Assoziationen erschließen sich dem Betrachter erst bei näherem Hinsehen, so sehr werden die ursprünglichen Bildelemente modifiziert. So ist beispielsweise in Barcelona das fotografierte Gesichtsportrait derart verfremdet, dass nur noch die Glanzpunkte des reflektierenden Lichtes auf dem Brillenglas Erinnerungen an die Stadt wachrufen.

In dem Anliegen, sich den Problemen der Zeit zu widmen, stehen Jenneßens neuartige Formwelten auf klassisch qualitätvollem Papier der technischen und faktenorientierten Welt gegenüber. Neben aller künstlerischer Raffinesse will der Künstler aufmerksam machen auf den von immer mehr äußeren Einflüssen abhängigen Menschen, mit den Folgen von Globalisierung und allgemeiner Weltbeschleunigung in Konflikt stehend, sich von seinen eigenen Bedürfnissen entfremdend. Ausbeutung, Rassismus, Gewalt und Trauer sind dabei existentielle menschliche Erfahrungen, die sich angedeutet durch kleine gegenständliche Relikte seinen Bildern wieder finden lassen. Abgesehen von hintergründigen Überlegungen regen die Werke wie Barcelona (2006), Seelenwanderung (2007) oder Blicke (2007) aufgrund der optischen Illusionen den Betrachter einfach auch zu phantasievollen, gedanklichen Reisen an.

Dr. Annette Baumann