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Broad Beach 1977/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
Bull Session at the Hangar 1979/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
The Hunter 1979/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
Montana Dreaming 1978/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
Morning Paper 1980/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
Steve and Lee Majors 1979/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
Start your Engines 1979/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
Mirror Reflection 1979/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
In Silhouette 1978/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
Stanley, Idaho
1978/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
Home on the Range 1978/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
The Handsome Flyboy 1979/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
The Last Mile 1978/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
Santa Paula Takeoff 1979/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
Cow Kissin'
1979/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
Sliding into the Stearman 1978/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
Little Bo Peep
1979/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
Fill'er Up Yellow Stearman
1979/2012, Piezo Print, 42 x 60 cm, Ed. 25
Steve McQueen – The Last Mile ‚King of unCool’

Irgendjemand hat einmal gesagt: „Die Fotografie wurde nur deswegen erfunden, damit man sich nicht die Mühe machen muss, sich zu erinnern”. Wenn dem so ist, dann hat Barbara Minty viel zu erinnern, denn in vielen Hundert Fotos hat sie - in den nur knapp dreieinhalb gemein- samen Jahren - ihren Lebensgefährten für sich festgehalten. Jede Situation scheint minutiös dokumentiert zu sein: der Mann im Profil mit einem Kaffeebecher in der Hand, neben einem Schuppen sitzend und die Zeitung lesend, vor einem Flugzeughangar zusammen mit Freunden plaudernd, an alten Motorrädern herumschraubend oder in einer alten Fliegermontur im Cockpit eines noch älteren Flugzeuges sitzend. Mal ernst und nachdenklich guckend und dann wieder breit und verschmitzt über das ganze Gesicht grinsend, dass die Falten wie Furchen hervorgehoben werden. Mal mit einem Käppi auf dem Kopf, unter dem die langen strubbeligen Haare hervor-sehen und der dichte Bart kaum etwas vom Gesicht freigibt, dann mit einem Strohhut oder einem Cowboy-Hut oder gar mit einer roten lustigen Kopfbedeckung halb Hut, halb Kopftuch, wie die amerikanischen Siedlerfrauen es im 19. Jahrhundert trugen. Auf einigen Fotos sieht der Mann aus, als ob er sich bewusst für die Kamera und die Person dahinter in Pose wirft und seinen Charme spielen lässt, gleich einem gelernten Modell genau austariert, wie er am besten zur Geltung kommt. Auf anderen Bildern dagegen sind es die schnappschuss- artigen kurzen unbedachten Momente, die eingefangen wurden. Oft wirken die Aufnahmen auch wie Filmstils: Einmal ist er der Cowboy, der im Gras sitzend sich von den Strapazen seines Jobs auszuruhen scheint, ein anderes Mal Trucker, der nach einem kurzen Zwischenstopp im Drive In an einer Hauswand gelehnt. Da fragt man sich natürlich, sind dies nur Fotos für den Privatgebrauch, um Erinnerungen wieder aufleben zu lassen? Und es gibt viel in dieser, wenn auch nur kurzen gemeinsamen, aber so scheint es, sehr intensiven Zeit für Barbara Minty, um sich zu erinnern. Doch warum könnte dieses Privatalbum für die Öffentlichkeit von Interesse sein? Wenn man aber weiß, um welchen Mann es sich hierbei handelt, dann werden die abgelichteten Momente mehr als nur die Erinnerungshilfen einer liebenden Frau.
Barbara Minty – sehr bodenständig aufgewachsen auf einer Farm – war 24 Jahre und auf der Höhe ihrer Modellkarriere als sie den fast doppelt so alten Filmschauspieler, Stilikone Steve McQueen fern ab des Hollywood-Glamours kennen- und sehr schnell auch lieben lernt. Eine Bedingung, die sie gleich am Anfang ihrer Beziehung stellte, war es, immer ihre Kamera dabei haben zu dürfen, um ihn, wann immer sie es wollte, auch zu fotografieren. Auf einem der ersten Fotos, das sie von ihm machte, sieht Steve McQueen eher aus wie die Idealbesetzung einer Verfilmung von Robinson Crusoe (ein Foto aufgenommen in Colorado 1977), und gibt weniger die Vorstellung, die man von einem der größten Schauspiellegenden hat, wieder.
In 22 Jahren drehte Steve McQueen 28 Filme, zu denen Klassiker wie „Die glorreichen Sieben“, „Papillon“, „Bullitt“ und „Getaway“ gehören. Auf Fotos aus den 60er Jahren, die der amerikanische Fotograf und enger Freund William Claxton (1927-2008) von ihm macht, jener hatte das Privileg dicht an Hollywood-Berühmtheiten und Jazzgrößen wie Miles Davis, John Coltrane, Charlie Parker und Chet Baker heranzukommen, wird Steve McQueen ganz seinem Image ent- sprechend als der King of Cool dargestellt. Und noch immer sind McQueens Bann und Popu- larität ungebrochen, dass selbst diese Fotos noch heute über - 30 Jahre nach seinem Tod - weltweit Anzeigen und Kampagnen von Uhrenmarken,
Bekleidungs- und Automobilfirmen zieren und einen klaren männlichen Stil repräsentieren.

Ganz anders dagegen die Fotos, die Barbara McQueen, das Fotomodell und der Filmschau- spieler heiraten elf Monate vor seinem Tod, von ihrem Mann macht: Hier geht es um den Menschen Steve McQueen, der ein Amateur-Rennfahrer und passionierter Sammler von Oldtimer Autos, Motorrädern und Blechspielzeug war, und sich zudem eineinhalb Jahre vor seinem Tod den Traum vom Fliegen verwirklicht und einen Piloten-Schein macht.
Doch was mag eine junge hübsche Frau veranlassen, das aufregende luxuriöse Jet-Set-Leben eines gefragten Modells – ihr Gesicht zierte die Coverseiten von Elle, Glamour und der Cosmopolitan – gegen das einfache Leben einer, fast könnte man behaupten, „Biker“-Braut einzutauschen? Sich voll und ganz auf einen Menschen einzulassen, der das Leben und den Tagesrhythmus bestimmt. Sechs Monate in einem Hangar neben alten Doppeldecker- flugzeugen zu hausen und die drei Monate während der Dreharbeiten in Arizona zu dem Film „Tom Horn“ in einem Wohnmobil zu leben und das als die schönste Zeit mit Steve McQueen zu empfinden.
Barbara McQueen war zu dem Zeitpunkt, als sie die Fotos von Steve McQueen macht, keine professionelle Fotografin, wenn auch sie durch ihren Modelljob mehr von Fotografie, Licht- einstellung und Motivauswahl wusste als andere. Außerdem ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass sich der Fotograf selbst eher zurücknimmt, da es um den Abgebildeten geht. „Vielleicht berühren uns diese Aufnahmen deswegen“, so der Hamburger Galerist Jens Goethel, der die ausgewählten Arbeiten aus dem 2006 in Amerika erschienenem Buch „The Last Mile“ erstmals in einer Ausstellung in Europa präsentiert, „nicht nur, weil hierbei ein ganz persönliches Bild einer doch so coolen Hollywood-Legende gezeigt wird, sondern die Fotos geben auch etwas preis von dem Menschen hinter der Kamera, von Barbara McQueen, die ihn in den letzten dreieinhalb Jahre begleitet und es erst 30 Jahre nach seinem Tod schafft, diese Fotos auch einer breiteren Öffentlichkeit zu zeigen.“
© Erle Bessert 2012